In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie Sie vom schnellen Aufmaß per 3D Scanner zur Raum Geometrie für Ihre Einrichtungsplanung gelangen.

3D-Scandaten für die Einrichtungs- und Raumplanung

3D-Scandaten für die Einrichtungs- und Raumplanung

Einrichtungsplanung auf Millimeterpapier oder mit manuellem Aufmaß gehört der Vergangenheit an. Die digitale Erfassung von Räumen liefert innerhalb kürzester Zeit hochpräzise Bestandsdaten. Der entscheidende Wert für Innenarchitekten, Raumplaner und Möbelbauer entsteht jedoch in der Wahl der richtigen Erfassungsmethode und der anschließenden Aufbereitung der Daten.

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die komplette Prozesskette vor: Von der Vermessung mittels 3D-Laserscanner oder taktiler Messtechnik (z. B. ICS) bis hin zur Auswertung in nutzbare CAD-Zeichnungen, fotorealistische Mesh-Modelle oder fertigungsgerechte CAD-Flächen.


1. Erfassung bzw. Vermessung der Immobilie

Die Grundlage für jeden passgenauen Innenausbau ist ein fehlerfreies Aufmaß. Je nach Anforderung, Raumkomplexität und gewünschtem Endresultat kommen hierbei unterschiedliche Messverfahren zum Einsatz.

a) Erfassung per 3D-Laserscanner

Der 3D-Laserscanner erfasst seine Umgebung flächendeckend. Ein rotierender Laser tastet den Raum ab und misst Millionen von Punkten pro Sekunde. Dabei werden Wände, Decken, Böden und vorhandene Objekte vollständig und berührungslos als sogenannte Punktwolke digitalisiert.

  • Vorteile: Extrem schnelle Erfassung kompletter Räume; fotorealistische Dokumentation durch integrierte HDR-Kameras; keine Details (wie Steckdosen, Heizkörper oder schiefe Wände) werden vergessen.
  • Einsatzgebiet: Komplette Gebäudeaufnahmen, komplexe Raumgeometrien, Bestandsdokumentation für BIM und Architektur.
  • Nachteil: Die Punktwolke muss über spezielle Verfahren für die Planung lesbar gemacht werden. Dazu gibt es CAD-Software, die Punktwolken lesen kann oder Reverse Engineering Software, die Oberflächen abgreifen lässt.

b) Erfassung per taktiler Messtechnik (z. B. ICS)

Im Gegensatz zum flächendeckenden Laserscanner werden bei der taktilen Messtechnik (wie dem ICS-System, Proliner oder Flexijet) gezielt einzelne, für die Konstruktion relevante Punkte, Linien und Kurven angemessen. Der Anwender tastet die entscheidenden Eckpunkte eines Raumes oder eines Möbelstücks physisch (oder mit einem Ziel-Laser) ab. Gerade der neue ICS besticht hier durch vPen und vPole.

  • Vorteile: Höchste mechanische Präzision; direkte Erzeugung von sauberen Vektorlinien und CAD-Geometrien noch vor Ort; drastisch reduzierte Datenmengen, da keine "unnötigen" Rauminformationen gespeichert werden. Im Nachgang lassen sich Bohr- und Montagepunkte sehr schnell und genau abstecken, ganz ohne Kreuz- und Linienlaser.
  • Einsatzgebiet: Tischlerarbeiten, Küchenaufmaß (z. B. Arbeitsplatten), Treppenbau, Passstücke und überall dort, wo sofort fertige 2D/3D-CAD-Linien für die CNC-Maschine benötigt werden. Bohrpunkte, Abhängungen, Trockenbauwände.
  • Nachteil: Im Vergleich zum 3D Laserscanner ist das Aufmaß vergleichsweise sehr langsam und setzt voraus, dass man vorab genau weiß was man für die künftige Planung messen muss.

2a. Beispiele 3D Laserscan für Einrichtungsplanung

Um Ihnen einen Eindruck von der Datenstruktur und Qualität zu vermitteln, stellen wir Ihnen hier typische Datensätze eines Aufmaßes per 3D Scanner aus der Praxis zur Verfügung. Sie können die Objekte interaktiv starten oder die E57 Punktwolken Datei herunter laden.

Beispiel Aufmaß Garderobe
📥 E57 Beispielpunktwolke (Garderobe) hier herunterladen
Beispiel Aufmaß Küche und Wohnen
📥 E57 Beispielpunktwolke (Küche und Wohnen) hier herunterladen

 

"Bestitzen Sie noch keinen 3D-Laserscanner oder Leica ICS, dann können Sie diese HIER ganz einfach mieten."

3a. Möglichkeiten der Datenaufbereitung

Rohdaten allein bauen keine Möbel. Im folgenden Schritt müssen die erfassten Daten für die Konstruktions- und Planungssoftware (CAD/CAM) aufbereitet werden. Hier unterscheiden sich die Workflows zwischen Laserscan und taktiler Messung massiv.

Auswertung der 3D-Scandaten (Punktwolke, Mesh & CAD)

Die Millionen Messpunkte eines Laserscanners müssen meist vorbereitet werden. Je nach Planungsziel gibt es hierfür die folgenden Möglichkeiten:

Methode 1: Direkte Punktwolken-Auswertung

Die Einzelscans werden registriert, bereinigt und als visuelle Referenz direkt in CAD-Programme importiert. Dort dienen sie als Basis, um 2D-Grundrisse oder Schnitte quasi „abzupausen“.

  • Vorteil: Schneller Workflow zur Maßkontrolle.
  • Nachteil: Keine wirklichen CAD-Fläche und Elemente,

Methode 2: Punktwolke zu Mesh Konvertierung (Polygonvermaschung)

Benachbarte Punkte der Punktwolke werden durch Polygone (Dreiecke) verbunden. Es entsteht eine geschlossene, netzartige Oberfläche (z.B. als OBJ- oder STL-Datei). Auch hier können Sie die Beispiele wieder herunter laden.

  • Vorteil: Perfekt für fotorealistisches Rendering, VR-Rundgänge, organische Designermöbel und Flächenberechnungen.
  • Nachteil: Lässt sich in mechanischen CAD-Programmen kaum schneiden oder mit sauberen Bohrungen versehen.
Mesh-Modell Aufmaß Garderobe
Mesh-Modell einer Garderobe für die Raumplanung und das 3D Aufmaß
📥 Mesh-Daten (Garderobe) hier herunterladen
Mesh-Modell Aufmaß Küche und Wohnen
Mesh-Modell von Küche und Wohnbereich für die Einrichtungsplanung
📥 Mesh-Daten (Küche und Wohnen) hier herunterladen

 

 

Methode 3: CAD-Flächenrückführung (Reverse Engineering / NURBS)

Wenn Möbel passgenau produziert und per CNC gefertigt werden sollen, ist dies der Goldstandard. Aus dem Mesh oder der Punktwolke werden saubere, mathematisch berechnete CAD-Flächen (NURBS) und Volumenkörper (Solids) erzeugt (Formate wie STEP oder IGES).

Hinweis: Diese Methode ermöglicht es dem Anwender gezielt auf Problemstellen im Sinne der Konstruktion einzugehen oder vorhandene Planungen abzugleichen.

  • Vorteil: Höchste Präzision, industrieller CAD-Standard. Ein geplanter Einbauschrank kann digital exakt an die Kontur einer rückgeführten schiefen Wand angepasst werden.
  • Nachteil: Software- und rechenintensiv, erfordert viel Know-how.
 3D-Modell im STEP Format von der Garderobe
📥 STEP-Datei (Garderobe) hier herunterladen


Methode 4: Parametrische BIM-Modellierung

Die Scandaten werden genutzt, um Wände, Türen und Fenster als intelligente, parametrische Bauteile in Software wie Revit oder ArchiCAD neu zu zeichnen. Ideal für die grobe Gebäudeplanung und Mengenermittlung.

Hinweis: Diese Methode generalisiert in der Regel das Aufmaß und normalisiert Winkel und Neigungen. Dem entsprechend gehen hier oft die Genauigkeiten des 3D Laserscannings verloren.

b) Verarbeitung der taktilen Messtechnik

  • .
 3D-Modell im DXF Format von der Garderobe aus Leica Icon Trades (ICS 20)
📥 DXF-Datei (Garderobe) hier herunterladen


Die Aufbereitung taktiler Messdaten (z. B. aus einem ICS-Messsystem) ist wesentlich direkter und schlanker als bei 3D-Scans, da hier bereits geometrische Grundkörper und Vektoren gemessen werden.

  • Direkter CAD-Export: Die gemessenen Punkte und Linien werden meist schon auf dem Messgerät (Tablet) zu fertigen Konturen (Polylinien, Splines) verbunden und als DXF- oder DWG-Datei gespeichert.
  • Nahtlose CAM-Übergabe: Da keine störenden Elemente (wie Reflexionen, Staub oder Möbel im Raum) herausgefiltert werden müssen, kann die DXF-Datei fast ohne Nachbearbeitung in die Konstruktionssoftware (z. B. AutoCAD, Palette CAD, WoodWop) geladen werden.
  • Verarbeitung im Möbelbau: Eine taktil gemessene Arbeitsplatte wird im CAD einfach mit der gewünschten Plattenstärke extrudiert, mit Ausschnitten (Spüle, Kochfeld) versehen und direkt an die CNC-Maschine gesendet.

Hinweis: Es soll aber auch nochmal darauf verwiesen werden, dass vergessene Maße eben auch nicht nachträglich aufgenommen werden können. In vielen Fällen ist eine Kombi aus 3D Scanner und ICS sehr spannend, wenn auch kostenintensiver.


Vergleich der Auswertungsmethoden im Überblick

Kriterium 3D-Punktwolke Mesh-Modell CAD-Flächen (Reverse Engineering) Taktile Messdaten (ICS)
Datenstruktur Millionen unverbundene Punkte Vermaschte Dreiecksflächen Mathematische Flächen / Volumen Vektorlinien, Splines, exakte Punkte
Typische
Formate
E57, LAS, RCP OBJ, STL STEP, IGES, SAT DXF, DWG
Erstellungs-
Auswand
Gering  Gering bis mittel Mittel mir Übung Mittel bis hoch
Aufbereitungs-
aufwand
Gering (Registrierung & Filterung) Gering (Vermaschung) Mittel mit Übung (Flächenrückführung) Sehr gering (direktes CAD-Format)
Haupt-
Nutzen
Vollständige Raumdokumentation Visualisierung & Rendering Möbelfertigung bei komplexen (krummen) Geometrien Schnelle, maßgenaue CNC-Fertigung klarer Konturen

Fazit: Die perfekte Kombination für Ihr Projekt

In der modernen Raum- und Einrichtungsplanung gibt es nicht den einen richtigen Weg. Geht es um die exakte Erfassung einer Küchenarbeitsplatte, ist die taktile Messtechnik unschlagbar schnell. Sollen hingegen komplexe, historische Räume mit Stuck, schiefen Wänden und Dachschrägen komplett ausgebaut werden, führt kein Weg am 3D-Laserscan und der anschließenden CAD-Flächenrückführung vorbei.

Sie möchten Ihre Räume digitalisieren, Auswertung und eine Basis für Ihre Planung schaffen. Mit unserem Miet- und Schulungsangebot steigen Sie ganz risikofrei in das Thema ein.